WERKSTATT 5  Postdramatisches Theater Wetzlar 17.-20.05.2012

blog                           beiträge an: kontakt@theaterfuereinjahr.de

Résumé

 

Thomas Faupel

Quelle: Theaterheute 10/2008

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Thomas Faupel

Quelle: gutefrage.net 2010

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Thomas Faupel

Quelle: roberto-isberner.de 2008

 

 

 

 

Thomas Faupel

Quelle: volksbuehne-berlin.de 2006

 

 

 

 

 

 

 

Thomas Faupel

Quelle: aktionstheater.de 2012

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Cornelia Modler

Quelle: Mailkontakt

 

 

 

Thomas Faupel

Résumé

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

»Werkstatt 5« wurde geleitet von Felix Strasser.

 

Im Jahr 1999 erschien das Buch »Postdramatisches Theater« von
Hans-Thies Lehmann und wurde inzwischen zum Standardwerk.

Es spaltet Schauspielschulen, polarisiert zwischen Freier Szene und
Öffentlichen Bühnen, lässt die einen Kritiker jubeln und andere vor
Wut aufheulen. Die erstaunliche Karriere verdankt sich nicht nur
verschiedenen Theaterformen und -schulen, sondern auch seiner
einzigartigen Unschärfe.
Das Buch verspricht ein neues ästhetisches Paradigma und liefert gleich
eine ganze Anzahl neuer Beschreibungsvokabeln. Zugleich verspricht es
die lang ersehnte Befreiung von der Vorherrschaft der Literatur.

Was Postdramatik heute meint, ist das ästhetische Experiment, ohne
nachvollziehbare Geschichte einen Theaterabend inszenieren zu können.

Florian Malzacher [...] Leitender Dramaturg, Steirischer Herbst
»Die Repräsentationskritik hat zwangsläufig auch die Repräsentations-
maschine des Theaters problematisiert. Als Reaktion darauf entstanden
Bühnenformen, die nicht primär eine andere Wirklichkeit zeigen, sondern
vor allem selbst eine Wirklichkeit sein wollen und dafür eine eigene,
nicht unbedingt verbale Sprache entwickeln. So zerfließen die Grenzen
zwischen Schauspiel und Performance, zwischen Repräsentation und
Präsentation, z.B.: Texte, das die Akteure über Kopfhörer zugespielt
bekommen; Geschichten, die keine geschlossene Wirklichkeit mehr
zu behaupten bereit sind; Zuschauer, die minutenlang still in verteilten
Textbüchern lesen.«

Bernd Stegmann [...] Hochschule für Schauspielkunst, Berlin
»Heute übersteigen die darzustellenden Probleme die Darstellungskraft
der dramatischen Situation, denn im Prozess der Moderne treten
sich zusehens weniger einzelne Menschen gegenüber, als dass Menschen
in ihren Funktionen mit Institutionen in komplizierte Konflikte geraten.
Die Erkennbarkeit des Gegenübers wird dabei, siehe Kafka, verweigert
.«

 

 

In diesem Blog habe ich einige lustige und erhellende Sätze gefunden.
z.B.:
[...]
Typisch postdramatisch ist, wenn sich das Theater selbst thematisiert,
anstatt nur eine vorgegeben Handlung abzuspulen (Techniker auf der
Bühne, inszenierung des Schauspiels und Preisgabe des Schauspiels als
Schauspiel), Objekttheater statt Handlungs- oder Charaktertheater.
oder
[...]
2005 inszeniert das Regiekollektiv "Rimini Protokoll" (Stefan Kaegi,
Helgard Haug, Daniel Wetzel) für die Schillertage am Nationaltheater
Mannheim Schillers "Wallenstein". Als Darsteller wurden "Experten"
gewonnen, die aufgrund ihres Berufs oder ihrer Interessen eine Deckung
mit den Figuren des Wallenstein aufweisen: eine Astrologin, zwei Ex-
soldaten, ein unerfolgreicher Lokalpolitiker, ein Schiller-Kenner und andere.
Diese Personen lasen Texte aus dem Wallenstein (sie hatten die Reclam-
Ausgaben auf der Bühne dabei) und verbanden diese mit eigenen Texten,
Gedanken zum Schillerstück, aber auch zum Produktionsprozess dieses,
ihres "Wallensteins".
Die Arbeit ist dokumentiert in dem Film "Wahl Kampf Wallenstein"
(2008, 3 Sat, Haug/Wetzel).
oder
[...]
Postdramatik ist das, was nach der dramatischen Dichtung kommt und
zwar nicht auf dem Heimweg von der Vorstellung, sondern in Hinsicht
auf die historische Entwickl
ung der Theaterformen. 

 

"Wann kann ich ins Theater gehen und am Eingang mit meinem
theaterpädagogischen Verständnis bezahlen?"
Die theaterpädagogische Relevanz des postdramatischen Theaters
am Beispiel RENÉ POLLESCH

 

L´Affaire Martin! Occupe-toi de Sophie! Par la fenêtre, Caroline!
Le mariage de Spengler. Christine est en avance.

»Wir müssen nicht für jemanden sprechen, sondern mit jemandem!«*
Das heisst wir können uns nicht länger auf eine Sprache beziehen,
in der wir uns Geschichten erzählen, die sich durchgesetzt haben,
die aber nicht unsere eigenen sind. [...] René Pollesch
*von Pollesch übernommenes Zitat von Donna Haraway

 

04.05.2012
Schneewittchen darf nicht sterben
»Ein Theater will aufführen, kann aber nicht, da alle Schauspieler streiken.
Nachdem zahlreiches Publikum erschienen ist, beschließt der Intendant,
ein Stück zu improvisieren.«
05.05.2012, Nachlese:
Die Inszenierung intendiert folgende Reihenfolge der Verpflichtungen:
1. Publikum
2. Veranstalter (hier die Schule)
3. Spieler (Spielfreude im pädagogischen Sinn)
4. Handlung (eigene Geschichte)

Es entsteht ein Stück, dass Motive collagiert und Klischees anbietet.
Weil Klischees das Bekannte bestätigen, ist das Stück unterhaltsam.
Unterhaltung stabilisiert das System. Bestätigung!
Kunst destabilisiert das System. Entwicklung!
Mein Ansatz des, eher literarischen, Amateur-Theaters
geht folgender Reihenfolge der Verpflichtungen nach:
1. Stück/Autor
2. Spieler
3. Veranstalter (wenn ich denn einen brauche)
4. Publikum (für mich bis zur Aufführung eine imaginäre Größe)
Ich arbeite nicht für die Aufführung, sondern vor der Aufführung.
Die Aufführung: Ein Angebot, das aus Personen Publikum macht.
Oder wie Marcel Duchamp sagte:
»Die Premiere bestätigt die Verabredung der Akteure mit dem Publikum.«
Das Publikum an letzter Stelle der Verpflichtungen zu platzieren bedeutet,
neben der zeitlichen Komponente, in etwa das, was Elfriede Jelinek sagt:
»Ich schaue über die Menschen hinweg.«

 

11.05.2012
»Vielleicht reiche ich als Mensch nicht aus. Vielleicht muß ich dann doch
die Funktion über meine Persönlichkeit stülpen.«

 

21.05.2012
Paul ist tot
(Fehlfarben - Live in Berlin - YouTube)
Vieles war sehr interessant, manches bekannt und einige wenige Dinge
waren für mich und mein eigenes Theaterverständnis nicht akzeptabel.
  
© Grafik: Felix Strasser
Gute Mitspielerinnen und Mitspieler in »Werkstatt 5«. Ein besonderer
Dank an die Beteiligten meines Beitrages zur Offenen Bühne, allen
voran Judith Bruszies und Lilian Martinez Miguel für spontane textliche
Performance und ein herzlicher Dank auch an den Leiter: Felix Strasser
Beeindruckend waren die am Samstagabend gezeigten blitzlichtartigen
Präsentationen aus den anderen Werkstätten.
Insgesamt eine gelungene BDAT-Fortbildung (mit Tradition)
in der landschaftlich schönen Umgebung im Westen Hessens.

 

 

Was das lesen lohnt: